Verzicht auf FFP2-Masken lässt Infektionszahlen in Höhe schießen

Wissenschaftliche Untersuchung im New England Journal of Medicine veröffentlicht. Villingen-Schwenningen. Wenn an Bildungseinrichtungen die Maskenpflicht aufgehoben wird, sorgt dies sehr schnell für stark ansteigende Inzidenzen. Zu diesem wissenschaftlich fundierten Ergebnis kommt eine aktuelle Untersuchung, die jetzt im New England Journal of Medicine veröffentlicht worden ist. Tori Cowger et.al von der Harvard T.H. Chan School of Public Health in 
Boston sind die Autoren.

Konkret geht es um die Coronazahlen in Massachussetts/USA. Dort waren die Werte 2022 in den ersten beiden Monaten stark zurückgegangen, was zu Forderungen geführt hatte, die Maskenpflicht an den Schulen endlich abzuschaffen. Die Schulbehörde stellte Ende Februar den einzelnen Schuldistrikten frei, zu entscheiden, ob Lehrer und Schüler im Unterricht einen Mund-Nase-Schutz tragen müssen. In den folgenden drei Wochen votierten im Großraum Boston 72
Distrikte für die Aufhebung der Maskenpflicht. Nur in zwei Distrikten blieb sie bestehen.

Die Untersuchung arbeitet dabei mit einer so genannten Differenz-von-Differenzen-Analyse (difference-in-differences analysis), wie sie neben naturwissenschaftlichen Fragestellungen auch bei wirtschaftswisschenschaftlichen Untersuchungen zum Einsatz kommt. Differenz-von-Differenzen (DvD)-Analysen sind ein gebräuchliches Instrument, um die Auswirkungen von politischen Entscheidungen zu untersuchen. Dies ist immer dann möglich, wenn benachbarte
Regionen unterschiedliche Wege gehen, etwa in der Agrarpolitik oder beim Mindestlohn – oder eben bei unterschiedlicher Anwendung von Maskenregeln in benachbarten Schulbezirken.

In den USA sind DvD-Analysen aufgrund der ausgeprägten föderativen Strukturen häufig möglich, da es den lokalen Behörden oft freigestellt wird, eine Bundes- oder Landesempfehlung umzusetzen oder nicht. Entsprechend ausgefeilt sind die Analysen und das Methodenwissen. Zur Untersuchung: Bei den beiden Schulbezirken, die weiter auf FFP2-masken setzten, handelte sich um den Innenstadtbereich von Boston und das benachbarte Chelsea. Dort gibt es viele ältere, schlecht zu lüftende Schulgebäude und größere Klassen, und die Schüler kommen häufiger aus benachteiligten Familien, in denen die Infektionszahlen höher sind. Doch auch in Boston und Chelsea waren zuvor die Infektionszahlen gesunken.

Die Entwicklung verlief weitgehend parallel zu den anderen Distrikten. Dies änderte sich nach der Freigabe. In den Distrikten, in denen die Maskenpflicht fiel, kam es innerhalb weniger Wochen zu einem Anstieg der COVID-19-Zahlen, in Boston und Chelsea blieben die Zahlen zunächst niedrig. Ganz konkret lautet das Ergebnis, dass
die Aufhebung der Maskenpflicht an den Schulen in den ersten 15 Woche die COVID-19-Inzidenz bei Lehrern und Schülern um 44,9 Fälle pro 1.000 Personen erhöht hat, wobei der Anstieg bei den Lehrern doppelt so hoch ausfiel wie bei den Schülern (81,7 gegenüber 39,9/1.000). 

In konkreten Zahlen ausgedrückt: Der Verzicht auf die Maskenpflicht hat zu 2.882 zusätzlichen Infektionen unter 46.530 Lehrern und zu 9.168 zusätzlichen Erkrankungen unter 294.084 Schülern geführt. Da Infizierte mehrere Tage vom Unterricht fern bleiben müssen, dürfte der Verzicht auf die Masken dazu geführt haben, dass in 15 Wochen Schüler mindestens 17.500 und Lehrer mindestens 6.500 Schultage verpasst haben.

Für Thomas Vosseler, Geschäftsführer der Univent Medical GmbH, unterstreicht die Untersuchung, dass der Verzicht auf FFP2-Masken das Infektionsgeschehen direkt befeuert. Besonders schmerzlich sei, dass neben gesundheitlichen Risiken die Bildung der betroffenen Heranwachsenden leidet: „Die Zwischenergebnisse der PISA-Studie und anderer Untersuchungen zeigen die dramatischen Auswirkungen.“ Er plädiert deshalb dafür, bei der Abwägung pro und contra einer Maskenpflicht in den unterschiedlichen Bereichen auch die wenn man so will „Nebenwirkungen“ über die direkten medizinischen Implikationen hinaus zu bedenken.

Original Artikel im New England Journal of Medicine:

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